Stewart Island – Wildnis und wunderschöne Vögel

Fünf Tage lang haben wir Neuseelands „dritte“ Insel erkundet und hatten eine tolle und abenteuerliche Zeit. Auf Stewart Island ist alles ein bisschen anders, es gibt deutlich mehr Vögel zu beobachten, das Wetter ändert sich noch schneller und häufiger und es gibt noch mehr Wildnis.

Um nach Stewart Island zu gelangen kann man entweder ein kleines Flugzeug oder die Fähre nehmen. Wir haben uns aus Preisgründen komplett für die Fähre entschieden. Diese Fähre ist etwas berühmt berüchtigt – es ist ein kleines Boot und eine raue Meeresstraße… oft wird vielen Passagieren an Bord schlecht.

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Auf der Hinfahrt hatten wir super Wetter und trotzdem sind die Wellen nur so am Boot hochgespritzt und das Boot ist immer wieder in große Wellenlöcher gefallen. Ich hatte total Spaß, es war wie Achterbahn fahren. Zwischendurch konnte ich sogar schon die ersten Albatrosse bei ihren tollen Flugmanövern bewundern. Jonas war eher etwas ruhiger, hat sich aber tapfer gehalten. 😉

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Bei unserer Ankunft empfängt uns Stewart Island mit dem typischen Inselwetter – grau, etwas neblig und es nieselte leicht. Yeah! Auf ins Abenteuer. Nachdem ich unseren kleinen Rucksack beim Hostel abgegeben hatte (frische Klamotten und Essen für zwei zusätzliche Tage wollten wir nicht unbedingt auf unsere dreitägige Wanderung mitnehmen) und Jonas im DOC-Office unsere Huttickets abgeholt hatte ging es los. 🙂

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Zum Start des Great Walks sind es fünf km. Da die erste Tagesstrecke nur acht km sind, sind wir wie die meisten direkt vom Hafen los gelaufen und haben uns den Transport gespart. 😉 Bereits im Ort ist mir aufgefallen wie viel mehr Vögel auf dieser Insel unterwegs sind. Nach der ersten Kurve sehen wir einen kleinen grünen „Red Crownd Parakeet“ ins Gebüsch fliegen und einen Kaka über uns fliegen. Yes, diese Insel ist genau mein Ding! … Ja, deshalb gibt es in diesem Beitrag auch überdurchschnittlich viele Vogelbilder und – geschichten. Beim nächsten Mal geht’s um andere Tiere, versprochen! 😉

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Nach der ersten Mittagspause beim offiziellen Trackstart ging es los auf unseren Great Walk. Der Weg der ersten Etappe zu „Port William“ ist super ausgebaut und führt zuerst durch schönen Busch. Allerdings sehr nah zum Strand, daher können wir immer wieder das Meer zwischen den Bäumen sehen.

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Und plötzlich ist sie da, die Sonne! Wirklich wie aus dem Nichts wird es auf einmal sonnig und schön warm. Zum perfekten Zeitpunkt, denn wir erhaschen einen Blick auf diese bezaubernden Buchten…

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Anschließend geht es für uns direkt an den ersten Sandstrand, den Maori-Beach. Wir genießen die Sonne und legen erst mal ein kleines Päuschen ein… wir haben ja auch schon die meiste Strecke geschafft. 😉

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Es geht weiter am Strand entlang, über einen braunen Fluss zurück in den Busch. Hier kommt das anstrengenste Stück der Strecke, denn es geht länger bergauf… und danach wieder bergab. Während dem Laufen gucke ich entweder nach oben um Vögel zu sehen oder nach unten um den Weg zu sehen und nicht zu stolpern. Beim Bergablaufen entdecke ich eine kleine Feder direkt vor meinen Füßen, ich hebe sie auf und… es ist eine Kiwi-Feder! Auf Stewart Island leben etwa 15.000 – 20.000 Kiwis – sie sind hier so zahlreich dass sie sogar tagaktiv sind und häufiger Wanderern über den Weg laufen. Allerdings eher nicht auf dem Great Walk sondern Strecken die etwas weniger „busy“ sind. 😉

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Ich habe mich jedenfalls total über die Feder gefreut und natürlich war dann das Kiwi-Fieber geweckt einen zu sehen. 😉 Zuerst gab es aber erst mal keinen Kiwi zu sehen sondern die erste Hütte. Sie liegt direkt an einer schönen Sandbucht und einem Steg. Ein wunderschönes Plätzchen um sich in die Sonne zu setzen und die Ruhe und die Albatross-Show zu genießen. – In der Bucht war ein größeres Boot mit Anglern unterwegs. Die Fischer haben die großen Vögel mit ihren Fischresten gefüttert. ^^ Ein tolles Spektakel – auch wenn wir uns gefragt haben warum die nicht lieber selber fischen gehen, das wäre vermutlich deutlich schneller und effektiver… Nun ja, wir Menschen werden ja auch oft gierig und schalten nicht 100% unser Hirn ein, wenn es etwas umsonst gibt. ^^

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In der Hütte haben wir einige andere nette Wanderer getroffen – natürlich Deutsche. ^^ Wir haben uns super unterhalten und der Abend ging schnell rum. Beim Zähne putzen unter einem unglaublichen Sternenhimmel habe ich tüchtig Ausschau gehalten nach den Südlichtern, aber leider nichts entdeckt. Im Gästebuch der Hütte hatten einige geschrieben sie hätten nachts Kiwis direkt an der Hütte gesehen. Natürlich haben wir dann beim nächtlichen Pinkelgang – die „Long-drop-Toiletten“ sind natürlich immer außerhalb der Hütte… auch sonst sind die Toiletten immer draußen. Wie ich mich auf meine eigene Toilette in meiner eigenen Wohnung freue! Anderes Thema… wir haben also nach Kiwis geguckt. Jonas hat statt Kiwis vier fette Possums (Pest! Sie fressen die Vegetation kurz und klein) gesehen und ich habe ein Reh (auch Pest, aber geliebt weil es gejagt werden kann – Jagen ist ein großes Hobby in Neuseeland, besonders auf Stewart Island) überrascht. Nicht mal gehört haben wir einen Kiwi…

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Am nächsten Morgen war die Sonne leider wieder verschwunden und es hat leicht geregnet. Trotzdem haben wir uns relativ zügig auf den Weg gemacht.

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Die zweite Etappe ist 13 km lang und führt ausschließlich durch den Busch. Und ja… sie ist auch deutlich matschiger als die erste Etappe.

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Es ist schon anstrengend immer wieder zu versuchen drum herum zu laufen oder auf die halbwegs festen Stellen zu treten. Gegen Ende hatte ich wirklich langsam genug und wollte nur noch zur Hütte. Etwas aufgemuntert haben mich wieder die Vögel. 😉 Wir haben immer wieder die kleinen grünen Papageien gesehen, aber nie richtig lange und nie gut genug für ein Foto. An einer recht offenen Stelle haben wir dann mehrere gesehen und gehört und etwas länger gewartet was passiert. Jonas hatte die Idee mit meiner Vogel-App („Native Birds of New Zealand“) ihre Rufe abzuspielen… und tatsächlich haben sie darauf sehr stark reagiert! Sie sind herum geflogen, haben geanwortet und waren sehr aktiv und nah. Das war klasse! Ich habe auch ein paar Bilder hinbekommen (leider habe ich erst später gemerkt, dass die Kamera verstellt war… :/).

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Anschließend ging es flott die zweite Hütte zu erreichen. Die „North Arm Hut“ liegt ebenfalls an einer schönen Bucht mit einem tollen Blick in die Wildnis. Zusätzlich gab es dort die fettestens „Wood Pigeons“ die ich je gesehen habe. ^^

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Am Abend fing es wie aus dem Nichts plötzlich an sehr stark zu stürmen. Wir waren ja sicher in unserer Hütte, aber ich habe schon immer wieder an die zwei Jungs im Zelt draußen gedacht… :/ Die Nacht war trotzdem relativ erholsam und am nächsten Morgen schien sogar wieder die Sonne. Zumindest immer wieder für ein paar Sekunden/Minuten. Da es weiterhin super windig war hat sich das Wetter Sonne-Regen-Wolken wirklich alle paar Minuten geändert. ^^

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An Tag drei geht es durch den Busch und immer wieder an schönen Buchten vorbei. Der Weg ist fast flach, also relativ einfach. Trotzdem muss man natürlich immer wieder ein Päuschen einlegen. 😉

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Vom „Trackende“ sind wir die letzten drei Kilometer in den Ort wieder gelaufen. Und dann war es auch schon geschafft! 🙂

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Der Rakiura-Track ist eine gute Wanderung – nicht zu viel pro Tag, eine gute Mischung aus Strand, Busch und historischen Relikten und der Matsch war weniger schlimm als erwartet. Ich bin einmal bis zum Knöchel eingesunken, dass wäre aber auch vermeidbar gewesen. 😉 Natürlich waren wir nach dem Track trotzdem erst mal müde und haben uns sehr auf unsere gemachten Betten im Hostel gefreut.

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(Es gab nur noch ein „Twin“, daher zwei Betten… nicht das hier jemand sonst was denkt. ^^) Nach einer wunderbaren warmen Dusche sind wir noch etwas durch den Ort spaziert und haben uns zum Abendessen Fish & Chips besorgt. Yummi! (Und Bier, Ingerbier, Schokolade und Gummibärchen… Belohnung! ^^)

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Anschließend sind wir auf den „Observation Rock“ gegangen um den Sonnenuntergang zu sehen. So richtig „beobachten“ konnten wir ihn nicht. Aber was wir gesehen haben war… wow! ❤

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Stewart Island ist bekannt für beeindruckende Sonnenuntergänge und wir wurden nicht enttäuscht. 🙂 Auf dem Rückweg zum Hostel sind wir noch beim Rugby-Feld vorbei gegangen. Mehrere Quellen haben uns berichtet das dort nachts die Kiwis raus kommen… wir haben eine Weile still im Dunkeln herum gestanden, konnten aber nicht mal einen Kiwi rufen hören… also ab ins warme Bettchen!

Am nächsten Morgen hat die meiste Zeit die Sonne geschienen, also ging es ab ins Vogel-Paradies, auf die nächste Insel, nach Ulva Island. Mit sehr großem Aufwand wurde diese kleine Insel komplett von Ratten gesäubert und anschließend wurden berohte heimische Vögel wieder freigelassen. Das Ergebnis ist eine Insel voll von seltenen Vögeln, voll mit ihrem Gesang. Perfekt! ❤

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Für 20 Dollar pro Person gibt es eine einfache kleine Fähre rüber. Das Boot fährt zu bestimmten Uhrzeiten, aber man muss nicht im Vorfeld buchen. Es fährt so lange hin und her bis alle drüben oder zurück sind. Wir haben es tatsächlich von 12 bis 18 Uhr auf der Insel ausgehalten. ^^

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In dieser Bucht kommt man an und hier stehen die einzigen Häuser der Insel. Danach geht in den Wald und an den Strand. Immer mit der Kamera griffbereit. Den meisten Erfolg beim „Bird Spotting“ hatten wir, wenn wir einfach langsam auf den Wegen gelaufen sind und auf die Geräusche und Gesänge gehört haben. Immer wieder haben wir auch einfach angehalten, gewartet oder uns auf eine Bank gesetzt. Ja, für einige hört sich das bestimmt super langweilig an, aber für mich war es total spannend und hat super Spaß gemacht.

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Meine Highlights…

Austernfischer – das „Kleine“ versucht sich noch immer unter den Eltern zu verstecken. ^^ Cute!

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Bellbird – der den Nektar der Bäume fressen kann – sonst sieht man dort nur Wespen.

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Yellowhead – super große Familien die den ganzen Wald mit ihrem Gesang füllen.

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Robin – super nah und super neugierig.

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Kaka – wir konnten den Waldpapagei sehr lang und nah beobachten.

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Red and Yellow Crowned Parakeet – in einem Baum!

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Saddleback – mein High-Highlight, diesen Vogel wollte ich unbedingt auf Ulva-Island sehen. Auf den Hauptinseln sind sie bereits ausgerottet. 😦 Und sie sind orange! ^^ Eigentlich mussten wir nur deshalb so lange auf der Insel bleiben bis wir endlich einen gesehen hatten. ^^

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Red Crowned Parakeet – so nah und so wunderschön. ❤ (Und wir haben auf dem Great Walk so einen Aufwand betrieben um ein Bild von den hübschen Kerlchen zu bekommen. ^^)

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Für mich war das Ganze vielleicht etwas zu lang oder zu aufregend… gegen Ende habe ich leider eine fiese Migräne bekommen. Trotz Tabletten musste ich mich zurück auf der größeren Insel eine Weile hinlegen und etwas schlafen. Jonas hat sich dabei um das Abendessen gekümmert… und anschließend ging es mir zum Glück besser. ❤ So gut das wir uns auf eine weitere Vogelexpedition gemacht haben.

Direkt am Hafen sollen nach Sonnenuntergang kleine „Blue Penguins“ an Land kommen um in den Felsen zu übernachten. Der Ort war nicht schwierig zu finden – es saßen schon einige andere Leute am Hafen und starrten aufs Meer. Aber die kleinen Pinguine haben sich Zeit gelassen… als es schon fast dunkel war tauchte der erste auf. Ein Raunen ging durch die Menge… der Kleine fürchtete sich sichtlich und flüchtete sofort unter einen Stein und blieb dort sitzen. Nach wenigen Sekunden standen die meisten Leute auf – wir haben es gesehen, die Show ist vorbei… Wir waren nur noch zu viert. Nach wenigen Minuten… kommt Pinguin Nummer zwei an Land. Er bleibt direkt auf dem ersten Stein stehen und putzt sich erst mal ausgiebig – völlig relaxt und sooooo niedlich!!! ❤ Leider war es inzwischen viel zu dunkel für Bilder, daher müsst ihr euch den kleinen winkenden Pinguin vorstellen. 😉 Nachdem auch dieser zweite Pinguin unter dem großen Stein verschwunden war machten wir uns noch mal auf Kiwi-Suche… Wieder ohne Erfolg – es wurde immer windiger und da raschelt alles und nichts im Gebüsch. ^^ Die Kiwi-Feder ist alles was ich von einem Kiwi auf Stewart Island gesehen habe und näher werde ich vermutlich nie kommen einen Kiwi zu streicheln. ^^

Der nächste Tag startete nass, stürmisch und früh… Perfekte Bedingungen für eine kleine Fährfahrt rüber nach Bluff – Nicht! In der Ankunftshalle hörten wir den Büromitarbeiter am Telefon reden… „Ah, wir sind nicht sicher ob sie fahren können. Sie werden es versuchen. Zur Not müssen sie umdrehen… wir hoffen sie schaffen es“. Yeah, das macht Hoffnung! Aber wenige Minuten später kam unsere Fähre an und wir gingen an Board. Kein zurück mehr… Es ging nur Auf- und Ab, die Wellen klatschten nur so auf und über das Boot… Die ersten Menschen fühlten sich schlecht… und der Geruch wurde nicht besser. Auch Jonas wurde immer blasser… Und ich hatte Spaß! Herrlich! Dank unserem super Skipper haben wir es tatsächlich heil nach Bluff geschafft und Jonas hat es geschafft sein Frühstück zu behalten. 😉 Es war ein abenteuerlicher Abschluss unserer Zeit auf Stewart Island bei einem Sturm mit der Fähre zurück zu fahren… ^^

Stewart Island war ein klasse Abenteuer und gleichzeitig ein kleiner Urlaub im Urlaub. ❤ Ein wahres Paradies für Vögel- und Wanderfreunde. Für uns hat sich dieser Trip in jeder Hinsicht gelohnt. ^^ Wie uns der Sturm dann auf dem Festland gepackt hat… beim nächsten Mal! 😉 Bis bald, liebe Grüße Franzi

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2 Gedanken zu “Stewart Island – Wildnis und wunderschöne Vögel

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